Breathwork · Atemübungen

Atemübungen: 10 Übungen für Ruhe, Schlaf, Fokus und Energie

Atemübungen gehören zu den einfachsten Werkzeugen, um Körper und Kopf gezielt zu beeinflussen – kostenlos, jederzeit verfügbar und oft schon nach einer Minute spürbar. Hier findest du zehn bewährte Übungen mit Schritt-für-Schritt-Anleitung, sortiert nach Ziel: Stress abbauen, besser einschlafen, konzentrieren und Energie tanken.

Von Constantin Falcoianu, Breathwork-Dozent in der Chief Ice Officer® Instructor Masterclass · Aktualisiert am 30.09.2026

Atme direkt mit: der Atem-Pacer

Die meisten Übungen auf dieser Seite kannst du direkt mit dem Pacer machen. Wähle ein Muster und folge dem Kreis: Er wird beim Einatmen größer und beim Ausatmen kleiner.

Welche Atemübung für welches Ziel?

Dein ZielBeste ÜbungDauer
Akuter Stress, NervositätPhysiologischer Seufzer1–2 Min.
Alltagsstress, Anspannung4-6-Atmung3–5 Min.
Einschlafen4-7-8-Atmung, Summende Atmung4 Runden bis 5 Min.
Konzentration, DruckBox Breathing, Wechselatmung3–5 Min.
Gelassenheit, HRVKohärentes Atmen10–20 Min.
Energie, WachheitKapalabhati1–3 Min.
Grundlage für allesBauchatmung, leise Nasenatmung5 Min.

Drei Grundregeln für alle Übungen: Atme, wenn nicht anders angegeben, durch die Nase ein. Übe im Sitzen oder Liegen. Und wenn dir schwindelig wird oder es kribbelt, atmest du zu viel: Pausiere und atme normal weiter.

Die Grundlagen

1. Bauchatmung (Zwerchfellatmung)

Wofür: Entspannung, bessere Atemökonomie, Basis für alle anderen Übungen · Dauer: 5 Minuten

  1. Leg dich auf den Rücken und stell die Beine auf. Eine Hand liegt auf dem Bauch, eine auf der Brust.
  2. Atme langsam durch die Nase ein. Die Hand auf dem Bauch hebt sich zuerst, die Hand auf der Brust bleibt fast ruhig.
  3. Lass die Luft durch die Nase oder den leicht geöffneten Mund ausströmen. Der Bauch senkt sich von selbst.
  4. Finde einen ruhigen Rhythmus ohne Anstrengung.

Warum es wirkt: Das Zwerchfell ist dein Hauptatemmuskel. Wer unter Stress flach in die Brust atmet, nutzt Hilfsmuskeln in Hals und Schultern – das hält die Anspannung aufrecht. Die Bauchatmung kehrt diesen Kreislauf um.

2. Leise Nasenatmung

Wofür: ruhige Grundatmung, CO₂-Toleranz · Dauer: 5 Minuten

  1. Setz dich aufrecht hin, der Mund ist geschlossen.
  2. Atme so leise durch die Nase, dass du dich selbst kaum hörst.
  3. Verringere die Atemmenge sanft, bis ein leichtes Gefühl von „ich könnte etwas mehr Luft vertragen“ entsteht. Halte dieses Gefühl, ohne zu verkrampfen.

Warum es wirkt: Viele Menschen atmen chronisch etwas zu viel. Die leise, reduzierte Atmung nach dem Buteyko-Ansatz trainiert die Toleranz gegenüber CO₂ und macht die Alltagsatmung ruhiger. Tipp: Beim Gehen üben, das trainiert zusätzlich.

Atemübungen gegen Stress

3. Physiologischer Seufzer (zyklisches Seufzen)

Wofür: akuten Stress schnell senken · Dauer: 1–5 Minuten · Pacer: „Seufzer“

  1. Atme durch die Nase tief ein.
  2. Atme ohne auszuatmen noch einmal kurz durch die Nase nach, um die Lunge ganz zu füllen.
  3. Atme langsam und vollständig durch den Mund aus, deutlich länger als die Einatmung.
  4. Wiederhole das für ein bis fünf Minuten.

Warum es wirkt: Der doppelte Einatemzug öffnet zusammengefallene Lungenbläschen, die lange Ausatmung aktiviert den Parasympathikus. In einer Studie der Stanford University verbesserte tägliches zyklisches Seufzen über einen Monat die Stimmung stärker als Achtsamkeitsmeditation (Balban et al., 2023). Du machst diese Atmung übrigens von selbst, etwa nach einem langen Weinen oder im Schlaf.

4. 4-6-Atmung (verlängerte Ausatmung)

Wofür: Alltagsstress, Einstieg in Breathwork · Dauer: 3–5 Minuten · Pacer: „Ruhig 4-6“

  1. Atme vier Sekunden durch die Nase ein.
  2. Atme sechs Sekunden langsam durch die Nase oder durch leicht gespitzte Lippen aus.
  3. Geht das leicht, kannst du auf 4-8 verlängern.

Warum es wirkt: Beim Ausatmen sinkt die Herzfrequenz, beim Einatmen steigt sie. Eine längere Ausatmung verschiebt die Balance Richtung Ruhe. Das ist der einfachste Hebel im Breathwork und funktioniert überall – im Meeting, im Stau, vor einem schwierigen Gespräch.

Atemübungen für Konzentration

5. Box Breathing (Box-Atmung)

Wofür: Fokus und Klarheit unter Druck · Dauer: 3–5 Minuten · Pacer: „Box 4-4-4-4“

  1. Vier Sekunden einatmen.
  2. Vier Sekunden halten.
  3. Vier Sekunden ausatmen.
  4. Vier Sekunden leer halten und von vorne beginnen.

Warum es wirkt: Der gleichmäßige Takt bindet die Aufmerksamkeit, die Pausen verlangsamen die Atmung insgesamt. Varianten, Fehler und Studienlage findest du im ausführlichen Guide Box Breathing.

6. Wechselatmung (Nadi Shodhana)

Wofür: Balance, Konzentration vor Lernen oder Arbeit · Dauer: 3–5 Minuten

  1. Setz dich aufrecht hin. Verschließe mit dem rechten Daumen das rechte Nasenloch.
  2. Atme durch das linke Nasenloch ein. Verschließe es mit dem Ringfinger und öffne das rechte.
  3. Atme rechts aus, rechts wieder ein, dann wechseln und links ausatmen.
  4. Das ist eine Runde. Atme ruhig und ohne Kraft, etwa 4 Sekunden ein und 4–6 Sekunden aus.

Warum es wirkt: Das langsame Tempo und die feinmotorische Aufgabe bündeln die Aufmerksamkeit vollständig. Die Übung stammt aus dem Pranayama des Yoga. Hinweis: Bei verstopfter Nase auslassen.

Atemübungen zum Einschlafen

7. 4-7-8-Atmung

Wofür: Runterfahren am Abend · Dauer: 4 Runden, später bis 8 · Pacer: „4-7-8“

  1. Leg die Zungenspitze hinter die oberen Schneidezähne.
  2. Atme vier Sekunden durch die Nase ein.
  3. Halte den Atem sieben Sekunden.
  4. Atme acht Sekunden hörbar durch den Mund aus.

Warum es wirkt: Die sehr lange Ausatmung und die Pause verlangsamen die Atmung auf etwa drei Atemzüge pro Minute. Das abendliche Ritual signalisiert deinem Körper: Der Tag ist vorbei. Alles zu Wirkung und Varianten findest du im Guide 4-7-8-Atmung.

8. Summende Atmung (Bhramari)

Wofür: Beruhigung, Gedanken leiser stellen · Dauer: 3–5 Minuten

  1. Setz dich bequem hin und schließ die Augen. Wer mag, verschließt die Ohren sanft mit den Zeigefingern.
  2. Atme ruhig durch die Nase ein.
  3. Atme mit geschlossenem Mund aus und summe dabei ein tiefes, gleichmäßiges „mmmm“, so lange es angenehm ist.

Warum es wirkt: Das Summen verlängert die Ausatmung automatisch, und die Vibration lenkt die Aufmerksamkeit nach innen. Ideal für alle, denen Zählen zu technisch ist.

Atemübung für Gelassenheit und HRV

9. Kohärentes Atmen (Resonanzatmung)

Wofür: Gelassenheit, Herzratenvariabilität, tägliche Routine · Dauer: 10–20 Minuten · Pacer: „Kohärent 5,5“

  1. Atme etwa 5,5 Sekunden weich durch die Nase ein.
  2. Atme etwa 5,5 Sekunden weich aus, ohne Pausen dazwischen.
  3. Atme nicht tiefer als nötig. Der Fluss soll sich angenehm und fast mühelos anfühlen.

Warum es wirkt: Mit rund sechs Atemzügen pro Minute schwingen Atmung, Herzschlag und Blutdruckregulation im Gleichtakt – die HRV steigt deutlich. Mehr dazu im Guide Kohärentes Atmen.

Atemübung für Energie

10. Kapalabhati (Feueratmung, sanfte Variante)

Wofür: Wachheit am Morgen, Energie vor dem Training · Dauer: 3 Runden à 20–30 Atemzüge

  1. Setz dich aufrecht hin, die Hände liegen auf dem Bauch.
  2. Stoß die Luft kurz und kräftig durch die Nase aus, indem du den Bauch schnell nach innen ziehst.
  3. Die Einatmung passiert passiv, indem der Bauch wieder locker lässt.
  4. Nach 20–30 Stößen einige ruhige Atemzüge nehmen, dann die nächste Runde.

Sicherheit: Nur im Sitzen, nie im oder am Wasser und nicht bei Schwangerschaft, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Epilepsie oder direkt nach dem Essen. Bei Schwindel sofort aufhören.

Drei fertige Routinen für deinen Alltag

RoutineAblaufGesamt
Morgens2 Min. Bauchatmung → 2 Runden Kapalabhati → 2 Min. Box Breathingca. 6 Min.
Im Büro1 Min. Physiologischer Seufzer → 3 Min. 4-6-Atmung4 Min.
Abends5 Min. Kohärentes Atmen → 4 Runden 4-7-8 im Bettca. 7 Min.

Die fünf häufigsten Fehler

  1. Zu tief atmen: Bei beruhigenden Übungen reicht ein normales Atemvolumen. Wer riesige Atemzüge nimmt, hyperventiliert leicht.
  2. Pressen beim Halten: Pausen sollen entspannt sein. Hals und Schultern bleiben locker.
  3. Zu ehrgeizige Zeiten: Beginne mit kürzeren Intervallen und steigere dich langsam.
  4. Unregelmäßig üben: Fünf Minuten täglich bringen mehr als eine lange Einheit pro Woche.
  5. Aktivierende Übungen am Abend: Die gehören in den Morgen, abends wird es ruhig.

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Häufige Fragen zu Atemübungen

Wie schnell wirken Atemübungen?

Beruhigende Übungen wie der Physiologische Seufzer oder die 4-6-Atmung wirken oft schon nach ein bis zwei Minuten spürbar. Für nachhaltige Effekte auf Stresslevel und Stimmung empfiehlt sich tägliches Üben über mehrere Wochen.

Welche Atemübung hilft am schnellsten gegen Stress?

Der Physiologische Seufzer: zweimal durch die Nase einatmen, dann lang durch den Mund ausatmen. Ein bis zwei Minuten reichen meist, um spürbar ruhiger zu werden.

Welche Atemübung hilft beim Einschlafen?

Die 4-7-8-Atmung und die Summende Atmung eignen sich besonders gut, weil sie die Ausatmung stark verlängern. Mach sie im Bett, bei gedimmtem Licht und ohne Bildschirm.

Kann ich Atemübungen auch bei Angst machen?

Ruhige Übungen mit langer Ausatmung können helfen, in angespannten Momenten die Kontrolle über den Körper zurückzugewinnen. Aktivierende Übungen oder langes Atemanhalten solltest du bei Angstsymptomen meiden. Atemübungen ersetzen keine psychotherapeutische Behandlung.

Soll ich durch die Nase oder den Mund atmen?

Einatmen möglichst durch die Nase, sie filtert, befeuchtet und bremst den Atemfluss. Ausatmen je nach Übung durch Nase oder Mund – bei langen, hörbaren Ausatmungen ist der Mund oft angenehmer.

Quellen

  1. Balban MY et al. (2023): Brief structured respiration practices enhance mood and reduce physiological arousal. Cell Reports Medicine 4(1). Link
  2. Fincham GW et al. (2023): Effect of breathwork on stress and mental health: A meta-analysis of randomised-controlled trials. Scientific Reports 13, 432. Link
  3. Laborde S et al. (2022): Effects of voluntary slow breathing on heart rate and heart rate variability. Neuroscience & Biobehavioral Reviews. Link

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.