Breathwork: über 45 Atemtechniken erklärt – mit Atem-Pacer
Breathwork · Der große Guide
Breathwork: über 45 Atemtechniken erklärt – zum direkten Mitatmen
Von der beruhigenden 4-6-Atmung über Box Breathing und kohärentes Atmen bis zur Wim-Hof-Atmung: Hier findest du 47 Atemtechniken aus Yoga, Apnoe, Sport, Meditation und der Chief Ice Officer® Praxis mit Wirkung, Schritt-für-Schritt-Anleitung, Studienlage und Sicherheitshinweisen. Jede Übung kannst du sofort mit dem Atem-Pacer ausprobieren.
Breathwork (deutsch: Atemarbeit) ist der Oberbegriff für alle Methoden, bei denen du deinen Atem bewusst und mit einem bestimmten Ziel steuerst – um dich zu beruhigen, wach zu werden, dich zu konzentrieren, besser einzuschlafen oder eine Kälteexposition zu meistern. Der Atem ist die einzige Funktion deines autonomen Nervensystems, die automatisch läuft und die du trotzdem jederzeit willentlich verändern kannst. Genau deshalb ist er ein so direkter Hebel auf Körper und Kopf.
Der Begriff ist bewusst weit gefasst. Darunter fallen jahrtausendealte Pranayama-Übungen aus dem Yoga wie die Wechselatmung oder Kapalabhati, die in den 1950er-Jahren von Konstantin Buteyko entwickelte Methode der reduzierten Atmung, Techniken aus Apnoetauchen und Leistungssport, die bei Einsatzkräften populär gewordene Box-Atmung, die Resonanzatmung aus der Herzratenvariabilitäts-Forschung sowie moderne Methoden mit kontrollierter Hyperventilation wie die Wim-Hof-Atmung.
Alle Techniken arbeiten mit denselben vier Stellschrauben:
Atemfrequenz: wie viele Atemzüge pro Minute – von unter 3 bei der 4-7-8-Atmung bis über 40 bei aktivierenden Techniken.
Atemtiefe: wie viel Luft du bewegst – von bewusst reduziert (Buteyko) bis maximal tief (Wim Hof).
Verhältnis von Ein- zu Ausatmung: Eine längere Ausatmung beruhigt, eine betonte Einatmung aktiviert.
Pausen: Atemanhalten nach dem Ein- oder Ausatmen verändert den CO₂-Spiegel und trainiert die Toleranz dafür.
Schon kleine Veränderungen an diesen Stellschrauben wirken innerhalb von Minuten auf Herzschlag, Blutgase, Muskelspannung und Stimmung. Das macht Breathwork so alltagstauglich: Du brauchst keine Ausrüstung, keinen Kurs und keine besondere Umgebung.
Breathwork ist keine Therapie. Im Coaching- und Gesundheitskontext ist Breathwork ein Werkzeug zur Selbstregulation und Gesundheitsförderung. Die Behandlung von Erkrankungen – etwa Atemtherapie bei Asthma oder COPD oder die Behandlung von Angststörungen – gehört in ärztliche, physio- oder psychotherapeutische Hände.
Physiologie
Wie Atmung auf Körper und Kopf wirkt
Breathwork ist keine Esoterik, sondern angewandte Physiologie. Diese sechs Mechanismen erklären, warum Atemtechniken so schnell wirken.
01
Direkter Draht zum Nervensystem
Beim Einatmen steigt die Herzfrequenz leicht, beim Ausatmen sinkt sie (respiratorische Sinusarrhythmie). Eine verlängerte Ausatmung verschiebt die Balance Richtung Parasympathikus – also Ruhe und Erholung. Schnelle, tiefe Atmung aktiviert dagegen den Sympathikus.
02
CO₂ ist der eigentliche Atemreiz
Nicht Sauerstoffmangel treibt dich zum Atmen, sondern steigendes Kohlendioxid. Atmest du mehr, als dein Stoffwechsel braucht, sinkt das CO₂ – es kribbelt, wird schwindelig, die Finger können verkrampfen. Aktivierende Techniken nutzen das bewusst, beruhigende vermeiden es.
03
Herzratenvariabilität (HRV)
Die HRV zeigt, wie flexibel dein Herz seinen Takt anpasst – ein Marker für ein anpassungsfähiges Nervensystem. Langsames Atmen erhöht die HRV zuverlässig, am stärksten meist um sechs Atemzüge pro Minute (Laborde et al., 2022).
04
Die Nase als Atemregler
Die Nase filtert, wärmt und befeuchtet die Luft und bremst den Atemfluss auf natürliche Weise. Ruhige Nasenatmung ist deshalb die Basis fast aller beruhigenden Techniken. Durch den Mund atmest du vor allem bei aktivierenden Übungen oder für lange, hörbare Ausatmungen.
05
Zwerchfell statt Schultern
Unter Stress atmen viele flach in die Brust und nutzen Hilfsmuskeln in Hals und Nacken. Das hält die Anspannung aufrecht. Die Zwerchfellatmung kehrt diesen Kreislauf um und ist effizienter: mehr Luftaustausch bei weniger Aufwand.
06
Aufmerksamkeit als Anker
Wer Atemzüge zählt oder einem Rhythmus folgt, lenkt die Aufmerksamkeit weg vom Gedankenkarussell. Für viele Menschen, denen klassische Meditation schwerfällt, ist Breathwork deshalb der leichtere Einstieg in einen ruhigen Kopf.
Technik-Finder
Welche Atemtechnik passt zu dir?
Wähle dein Ziel – mit einem Klick auf „Starten“ lädt der Pacer die passende Übung.
Sortiert nach Wirkung, mit Anleitung, Dauer, Level und Sicherheitshinweisen. Bei fast jeder Technik startest du den Pacer direkt aus der Karte.
Beruhigende Atemtechniken
Lange Ausatmung, langsames Tempo: Diese Techniken senken Puls und Anspannung und eignen sich für Stressmomente und den Abend.
Bauchatmung (Zwerchfellatmung)
Beruhigend
Musterruhig, Bauch hebt sich zuerst
Dauer5 Min.
LevelEinsteiger
Die Grundlage aller Atemtechniken. Das Zwerchfell ist dein Hauptatemmuskel. Wer es bewusst nutzt, atmet effizienter, entspannt Nacken und Schultern und schafft die Basis für jede weitere Übung.
Leg dich auf den Rücken, eine Hand auf den Bauch, eine auf die Brust.
Atme durch die Nase ein: Die Bauchhand hebt sich, die Brusthand bleibt fast ruhig.
Lass die Luft entspannt ausströmen, der Bauch senkt sich von selbst.
Finde einen ruhigen Rhythmus – etwa 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus.
4-6-Atmung (verlängerte Ausatmung)
Beruhigend
Muster4 s ein · 6 s aus
Dauer3–5 Min.
LevelEinsteiger
Der einfachste und vielseitigste Hebel im Breathwork. Weil die Herzfrequenz beim Ausatmen sinkt, verschiebt eine längere Ausatmung die Balance spürbar Richtung Ruhe. Funktioniert überall: im Meeting, im Stau, vor einem schwierigen Gespräch.
Atme 4 Sekunden ruhig durch die Nase ein.
Atme 6 Sekunden langsam durch Nase oder leicht geöffnete Lippen aus.
Der doppelte Einatemzug öffnet zusammengefallene Lungenbläschen, die lange Ausatmung aktiviert den Parasympathikus. In einer Studie der Stanford University verbesserten fünf Minuten zyklisches Seufzen pro Tag über einen Monat die Stimmung stärker als Achtsamkeitsmeditation (Balban et al., 2023). Dein Körper macht diese Atmung übrigens von selbst – etwa im Schlaf oder nach dem Weinen.
Atme tief durch die Nase ein.
Atme ohne Pause noch einmal kurz nach, bis die Lunge ganz gefüllt ist.
Atme langsam und vollständig durch den Mund aus.
Wiederhole das ein bis fünf Minuten lang.
4-7-8-Atmung
Beruhigend
Muster4 ein · 7 halten · 8 aus
Dauer4 Runden
LevelEinsteiger
Die bekannteste Atemtechnik zum Einschlafen, populär gemacht durch den US-Arzt Andrew Weil. Mit rund drei Atemzügen pro Minute verlangsamt sie die Atmung stark. Wissenschaftlich ist sie weniger erforscht als ihr Ruf – als abendliches Ritual aber sehr wirksam.
Zungenspitze hinter die oberen Schneidezähne legen.
Die „Bienenatmung“ aus dem Pranayama. Das Summen verlängert die Ausatmung automatisch, die Vibration im Kopf lenkt die Aufmerksamkeit nach innen. Ideal für alle, denen Sekundenzählen zu technisch ist.
Setz dich bequem hin und schließ die Augen. Wer mag, verschließt die Ohren sanft mit den Zeigefingern.
Atme ruhig durch die Nase ein.
Atme mit geschlossenem Mund aus und summe dabei ein tiefes, gleichmäßiges „mmmm“.
Lippenbremse
Beruhigend
Muster2 s Nase ein · 4 s Lippen aus
Dauer2–5 Min.
LevelEinsteiger
Eine Technik aus der Atemphysiotherapie, die auch in der Lungenrehabilitation eingesetzt wird. Die leicht gespitzten Lippen bremsen den Luftstrom, halten die Atemwege offen und verlangsamen die Atmung. Im Alltag hilft sie bei Kurzatmigkeit nach Belastung und beim Eisbad-Einstieg.
Atme 2 Sekunden durch die Nase ein.
Spitze die Lippen, als wolltest du eine Kerze sanft zum Flackern bringen.
Atme 4 Sekunden oder länger gleichmäßig durch die Lippen aus.
Ujjayi (Ozeanatmung)
Beruhigend
Muster5 s ein · 7 s aus, Kehle leicht verengt
Dauer5–10 Min.
LevelEinsteiger
Die klassische Yoga-Atmung: Durch eine leichte Verengung der Stimmritze entsteht ein leises Rauschen wie Meeresbrandung. Das Geräusch macht den Atem hörbar und gleichmäßig. Ujjayi eignet sich als ruhige Grundatmung beim Yoga, beim Gehen oder in der Sauna-Pause.
Atme durch den Mund aus, als würdest du einen Spiegel anhauchen („haaa“).
Schließ den Mund und behalte die Verengung in der Kehle bei.
Atme nun durch die Nase ein und aus – mit leisem Rauschen.
2:1-Atmung
Beruhigend
Muster4 s ein · 8 s aus
Dauer3–10 Min.
LevelEinsteiger
Die konsequente Weiterentwicklung der 4-6-Atmung: Die Ausatmung ist doppelt so lang wie die Einatmung. Dadurch verlangsamt sich die Atmung auf rund fünf Atemzüge pro Minute, und der beruhigende Effekt der langen Ausatmung wird noch deutlicher. Ideal für den Abend oder nach einem anstrengenden Tag.
Atme 4 Sekunden ruhig durch die Nase ein.
Atme 8 Sekunden langsam und gleichmäßig aus – durch die Nase oder leicht geöffnete Lippen.
Fällt dir die lange Ausatmung schwer, beginne mit 3:6.
Dirga (dreiteilige Yoga-Atmung)
Beruhigend
MusterBauch · Rippen · Brust füllen, lang aus
Dauer5 Min.
LevelEinsteiger
Eine der ersten Übungen im klassischen Pranayama. Du füllst die Lunge bewusst in drei Etappen – erst den Bauch, dann die Flanken, dann die Brust – und lässt die Luft in umgekehrter Reihenfolge wieder ausströmen. So lernst du, den gesamten Atemraum zu nutzen, und spürst, wie unterschiedlich sich die Bereiche bewegen.
Leg dich hin oder setz dich aufrecht, eine Hand auf den Bauch, eine auf die Brust.
Atme in den Bauch, dann weiter in die seitlichen Rippen, zuletzt in die obere Brust.
Atme langsam aus: erst Brust, dann Rippen, zuletzt Bauch.
Der Pacer sagt dir jede Etappe an.
Flankenatmung (Pilates-Atmung)
Beruhigend
Musterseitlich in die Rippen ein · lang aus
Dauer3–5 Min.
LevelEinsteiger
Bei der Flankenatmung lenkst du den Atem bewusst in die seitlichen und hinteren Rippen, während die Bauchdecke leicht stabil bleibt. Sie stammt aus der Pilates-Methode und ist ideal, wenn du im Training eine stabile Körpermitte halten und trotzdem tief atmen willst.
Leg die Hände seitlich auf die unteren Rippen.
Atme durch die Nase ein und schiebe die Rippen gegen deine Hände nach außen.
Atme durch den leicht geöffneten Mund aus und spüre, wie sich die Rippen wieder schließen.
Sitali (kühlende Atmung)
Beruhigend
Musterdurch die gerollte Zunge ein · Nase aus
Dauer3–5 Min.
LevelEinsteiger
Eine Pranayama-Übung, die traditionell als kühlend beschrieben wird: Die Luft strömt über die feuchte, gerollte Zunge ein und fühlt sich deutlich kühl an. Die langsame Ausatmung durch die Nase macht sie zugleich beruhigend – angenehm an heißen Tagen, nach der Sauna oder bei innerer Unruhe.
Roll die Zunge seitlich zu einem Röhrchen und streck sie leicht heraus.
Atme 4 Sekunden durch die Zunge ein.
Schließ den Mund und atme 6 Sekunden durch die Nase aus.
Kannst du die Zunge nicht rollen, nimm Sitkari.
Sitkari (Zischatmung)
Beruhigend
Musterdurch die Zähne ein · Nase aus
Dauer3–5 Min.
LevelEinsteiger
Die Alternative zu Sitali für alle, die die Zunge nicht rollen können – das ist genetisch bedingt bei vielen Menschen so. Du atmest mit leicht geöffneten Lippen durch die geschlossenen Zähne ein; dabei entsteht ein leises Zischen und ein kühles Gefühl.
Schließ die Zähne locker, öffne die Lippen.
Atme 4 Sekunden zischend durch die Zähne ein.
Atme 6 Sekunden ruhig durch die Nase aus.
Om-Atmung (Udgeeth)
Beruhigend
Muster4 s ein · 12 s auf „Om“ aus
Dauer5 Min.
LevelEinsteiger
Beim Udgeeth-Pranayama tönst du auf der Ausatmung ein langes „Ooommm“. Das Tönen verlängert die Ausatmung ganz von selbst auf zehn Sekunden und mehr, die Vibration lenkt die Aufmerksamkeit nach innen. Wer mit dem spirituellen Kontext nichts anfangen kann, nimmt einfach einen tiefen Summton.
Atme ruhig und tief durch die Nase ein.
Töne auf der Ausatmung „Ooo“ und lass es in ein langes „mmm“ übergehen.
Spüre der Vibration in Brust und Kopf nach.
Voo-Atmung
Beruhigend
Musterruhig ein · lang und tief „Voo“
Dauer3–5 Min.
LevelEinsteiger
Eine Übung aus der Körperpsychotherapie (Somatic Experiencing nach Peter Levine): Ein tiefes, sonores „Vooo“ auf der Ausatmung lässt Bauch und Brustkorb vibrieren. Viele Menschen erleben das als besonders erdend, wenn sie aufgewühlt sind.
Atme ruhig durch die Nase ein.
Töne auf der gesamten Ausatmung ein tiefes „Vooo“, wie ein Nebelhorn.
Mach eine kurze Pause und spüre nach, bevor du wieder einatmest.
Mondatmung (Chandra Bhedana)
Beruhigend
Musterlinks ein · rechts aus
Dauer3–5 Min.
LevelFortgeschritten
Bei der Mondatmung atmest du immer durch das linke Nasenloch ein und durch das rechte aus. In der Yoga-Tradition gilt die linke Seite als kühlend und beruhigend. Wissenschaftlich ist das kaum untersucht; spürbar ist vor allem die Wirkung des langsamen Tempos und der konzentrierten Aufmerksamkeit.
Verschließe mit dem Daumen das rechte Nasenloch und atme links ein.
Verschließe links mit dem Ringfinger und atme rechts aus.
Wiederhole das ruhig und ohne Kraft. Bei verstopfter Nase auslassen.
Fokus- & Balance-Techniken
Gleichmäßige Muster, oft mit Pausen: für Konzentration, Klarheit unter Druck und ein ausgeglichenes Nervensystem.
Box Breathing
Fokus
Muster4 ein · 4 halten · 4 aus · 4 halten
Dauer3–5 Min.
LevelEinsteiger
Vier gleich lange Phasen bilden ein Quadrat. Bekannt wurde die Technik durch Militär, Polizei und Einsatzkräfte, die damit in Stresssituationen handlungsfähig bleiben. Der Takt bindet die Aufmerksamkeit, die Pausen trainieren die CO₂-Toleranz.
Mit rund sechs Atemzügen pro Minute schwingen Atmung, Herzschlag und Blutdruckregulation im Gleichtakt – die Herzratenvariabilität steigt deutlich. Die Technik stammt aus der HRV-Biofeedback-Forschung und ist der Standard im Biohacking.
Atme 5,5 Sekunden weich durch die Nase ein.
Atme ohne Pause 5,5 Sekunden weich aus.
Atme nicht tiefer als nötig – der Fluss soll mühelos sein.
Musterlinks ein · rechts aus · rechts ein · links aus
Dauer5 Min.
LevelFortgeschritten
Eine der zentralen Pranayama-Übungen. Das langsame Tempo und die feinmotorische Aufgabe bündeln die Aufmerksamkeit vollständig – ideal vor dem Lernen, Arbeiten oder Meditieren. Der Pacer zeigt dir an, welches Nasenloch dran ist.
Verschließe mit dem rechten Daumen das rechte Nasenloch und atme links ein.
Verschließe links mit dem Ringfinger, öffne rechts und atme rechts aus.
Atme rechts ein, wechsle und atme links aus. Das ist eine Runde.
Ruhig und ohne Kraft atmen. Bei verstopfter Nase auslassen.
Leise Nasenatmung (Buteyko-Ansatz)
Balance
Musterweniger und leiser atmen
Dauer5–10 Min.
LevelFortgeschritten
Viele Menschen atmen chronisch etwas zu viel. Der Buteyko-Ansatz trainiert das Gegenteil: bewusst leise und reduziert durch die Nase atmen, bis ein leichter Lufthunger entsteht. Das erhöht die Toleranz gegenüber CO₂ und macht die Alltagsatmung ruhiger. Deinen Fortschritt misst du mit dem BOLT-Test.
Setz dich aufrecht hin, Mund geschlossen.
Atme so leise, dass du dich selbst kaum hörst.
Reduziere die Atemmenge sanft, bis ein leichtes „Ich könnte mehr Luft vertragen“ entsteht.
Halte dieses Gefühl entspannt für einige Minuten, ohne zu verkrampfen.
Gleichmäßige Atmung (Sama Vritti)
Balance
Muster4 s ein · 4 s aus
Dauer5 Min.
LevelEinsteiger
Ein- und Ausatmung sind exakt gleich lang, ohne Pausen. Sama Vritti ist eine der einfachsten Pranayama-Übungen und der ideale Einstieg, um ein Gefühl für einen gleichmäßigen Atemfluss zu bekommen. Mit der Zeit kannst du auf 5-5 oder 6-6 verlängern – dann bist du beim kohärenten Atmen.
Atme 4 Sekunden durch die Nase ein.
Atme 4 Sekunden durch die Nase aus.
Achte auf einen weichen, gleichmäßigen Fluss ohne Stocken.
Dreiecksatmung
Fokus
Muster4 ein · 4 halten · 4 aus
Dauer3–5 Min.
LevelEinsteiger
Die kleine Schwester des Box Breathing: drei gleich lange Phasen statt vier, ohne die Pause nach dem Ausatmen. Wer die leere Pause beim Box Breathing als unangenehm empfindet, findet hier eine sanftere Variante mit ähnlichem Fokus-Effekt.
4 Sekunden einatmen.
4 Sekunden locker halten.
4 Sekunden ausatmen – und direkt wieder einatmen.
Langsame Resonanzatmung (4,5/Min.)
Balance
Muster6 s ein · 7,3 s aus
Dauer10–20 Min.
LevelFortgeschritten
Die individuelle Resonanzfrequenz liegt bei den meisten Erwachsenen zwischen etwa 4,5 und 7 Atemzügen pro Minute. Diese Variante deckt das untere Ende ab – für alle, die mit 5,5 Atemzügen gut zurechtkommen und testen möchten, ob ein noch langsameres Tempo ihre HRV stärker anhebt. Mit einem HRV-Sensor siehst du, welches Tempo bei dir am besten wirkt.
Atme 6 Sekunden weich durch die Nase ein.
Atme 7 bis 8 Sekunden weich aus, ohne Pausen.
Atme nicht tiefer als nötig – bei Kribbeln zurück zu 5,5.
Das klassische Pranayama-Verhältnis mit langer Atemverhaltung nach dem Einatmen (Antara Kumbhaka). Die Haltephase ist viermal so lang wie die Einatmung, die Ausatmung doppelt so lang. Die Übung schult Konzentration und Gelassenheit beim Atemanhalten – und gehört zu den anspruchsvollsten ruhigen Techniken.
Atme 4 Sekunden ein.
Halte 16 Sekunden – Kehle und Gesicht bleiben entspannt.
Atme 8 Sekunden langsam aus.
Zu lang? Beginne mit 3:12:6 oder 2:8:4.
Nicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder in der Schwangerschaft.
Viloma (unterbrochene Atmung)
Fokus
Musterin 3 Etappen ein, mit Pausen · lang aus
Dauer5 Min.
LevelFortgeschritten
Bei Viloma atmest du in drei Etappen ein und machst dazwischen jeweils eine kurze Pause. Das schult die Feinsteuerung des Atems und macht dir bewusst, wie viel Kontrolle du über jede Phase hast. Die lange Ausatmung am Ende wirkt beruhigend.
Atme ein Drittel ein und halte kurz.
Atme das zweite Drittel ein und halte kurz.
Atme das letzte Drittel ein und halte kurz.
Atme langsam und vollständig aus.
Nasenatmung als Grundregel
Basis
Musterein und aus durch die Nase
Dauerganztägig
LevelEinsteiger
Keine Technik, sondern eine Regel: Atme in Ruhe und unter Stress konsequent durch die Nase – besonders in den ersten 30 bis 60 Sekunden einer Belastung wie dem Einstieg ins kalte Wasser. Die Nase filtert, befeuchtet und bremst den Luftstrom und hält dich so automatisch im ruhigeren Bereich.
Achte über den Tag darauf, ob dein Mund geschlossen ist.
Atme beim Gehen und bei leichter Belastung ausschließlich durch die Nase.
Wenn du durch den Mund atmen musst, ist das Tempo für dich zu hoch.
Ohne Pacer – im eigenen Rhythmus üben
Aktivierende Atemtechniken & Wim-Hof-Atmung
Schnell, tief, kraftvoll: Diese Techniken aktivieren den Sympathikus, setzen Adrenalin frei und machen wach. Sie gehören in den Morgen oder vor das Training – und niemals ins oder ans Wasser.
Wichtig für alle aktivierenden Techniken: Nur im Sitzen oder Liegen üben, nie im Wasser, in der Badewanne, beim Autofahren oder im Stehen. Hyperventilation unterdrückt den Atemreiz – Bewusstlosigkeit kann ohne Vorwarnung eintreten. Nicht bei Schwangerschaft, Epilepsie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder psychischen Erkrankungen.
Die bekannteste aktivierende Atemtechnik, benannt nach dem niederländischen Extremsportler Wim Hof. Fachlich handelt es sich um zyklische Hyperventilation mit Atemanhalten: 30 bis 40 tiefe Atemzüge senken das CO₂ im Blut, danach hältst du den Atem nach dem Ausatmen – oft deutlich länger, als du es für möglich hältst. Teilnehmende eines Trainingsprogramms aus dieser Atmung, Kälte und Meditation zeigten im Experiment einen starken Adrenalinanstieg und eine abgeschwächte Entzündungsreaktion auf ein Bakterientoxin (Kox et al., 2014). Die verbreitete Tummo-Atmung ist eine eng verwandte Variante mit zusätzlicher Körperspannung und Visualisierung.
Setz oder leg dich bequem hin.
Atme 30-mal tief ein (Bauch, dann Brust) und lass die Luft ohne Kraft wieder heraus – zügig, aber ohne zu pressen.
Nach dem letzten Ausatmen: Atem anhalten, ohne Luft in der Lunge, bis der Atemreiz deutlich kommt. Im Pacer tippst du dann auf „Weiter“.
Tief einatmen und die Luft 15 Sekunden halten, dann loslassen.
Das ist eine Runde. Mach drei bis vier Runden – der Pacer zeigt dir am Ende deine Haltezeiten.
Kribbeln, Leichtigkeit im Kopf und Wärmegefühl sind bei dieser Technik normal. Bei Schmerzen, starkem Schwindel oder Unwohlsein sofort aufhören und normal atmen. Niemals im oder am Wasser praktizieren – auch nicht direkt vor dem Eisbad.
Kapalabhati (Feueratmung)
Aktivierend
Muster30 kurze Ausstöße · 30 s Pause
Dauer3 Runden
LevelFortgeschritten
Eine traditionelle Reinigungsübung aus dem Yoga. Die aktive, kurze Ausatmung durch kräftiges Einziehen der Bauchdecke wirkt anregend und wärmend. Die Einatmung geschieht passiv. Ideal als Wachmacher am Morgen.
Setz dich aufrecht hin, Hände auf dem Bauch.
Stoß die Luft kurz und kräftig durch die Nase aus, indem du den Bauch schnell nach innen ziehst.
Lass den Bauch los – die Einatmung passiert von selbst.
Nach 30 Stößen 30 Sekunden ruhig atmen, dann die nächste Runde.
Nicht mit vollem Magen, nicht bei Schwangerschaft, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Epilepsie oder akuten Bauchbeschwerden.
Bhastrika (Blasebalgatmung)
Aktivierend
Muster20 kräftige Atemzüge (1 s ein · 1 s aus) · 30 s Pause
Dauer3 Runden
LevelFortgeschritten
Anders als bei Kapalabhati sind hier Ein- und Ausatmung gleichermaßen aktiv und kräftig – wie ein Blasebalg. Die Technik erzeugt in kurzer Zeit viel Energie und Wärme und wird gern vor körperlicher Leistung eingesetzt.
Aufrecht sitzen, Schultern locker.
Atme kräftig durch die Nase ein und ebenso kräftig wieder aus, je etwa eine Sekunde.
Benannt nach der tibetischen g-Tummo-Meditation, die mit innerer Hitze arbeitet. In der modernen Form ähnelt sie der Wim-Hof-Atmung: 30 bis 40 tiefe, kraftvolle Atemzüge, danach Atemanhalten – kombiniert mit der Vorstellung von Wärme, die sich vom Körperzentrum ausbreitet. Bei erfahrenen Meditierenden wurden während der traditionellen Praxis messbare Anstiege der Körperkerntemperatur beobachtet (Kozhevnikov et al., 2013).
Setz dich aufrecht hin.
Atme 35-mal tief und kraftvoll ein und locker aus.
Halte nach dem Ausatmen und stell dir Wärme vor, die sich vom Bauch aus im ganzen Körper ausbreitet.
Tief einatmen, 15 Sekunden halten, loslassen. Drei Runden.
Wie alle aktivierenden Techniken: nur sitzend oder liegend, nie im oder am Wasser.
Feueratem (Breath of Fire)
Aktivierend
Musterschnell, gleichmäßig durch die Nase
Dauer3 Runden à 30–60 s
LevelFortgeschritten
Der Feueratem aus dem Kundalini-Yoga ähnelt Kapalabhati, ist aber anders betont: Ein- und Ausatmung sind gleich kräftig und gleich schnell, etwa zwei bis drei Atemzüge pro Sekunde, angetrieben vom Bauch. Er wirkt stark anregend und wärmend.
Setz dich aufrecht, Mund geschlossen.
Atme schnell und rhythmisch durch die Nase ein und aus, die Bauchdecke pumpt mit.
Nach 30 bis 60 Sekunden ruhig weiteratmen und nachspüren.
Nicht bei Schwangerschaft, Bluthochdruck, Herzerkrankungen oder Epilepsie.
Sonnenatmung (Surya Bhedana)
Aktivierend
Musterrechts ein · links aus
Dauer3–5 Min.
LevelFortgeschritten
Das Gegenstück zur Mondatmung: Du atmest immer durch das rechte Nasenloch ein und durch das linke aus. In der Yoga-Tradition gilt die rechte Seite als wärmend und aktivierend – eine ruhige Alternative zu den schnellen Aktivierungstechniken, etwa am Morgen.
Verschließe mit dem Ringfinger das linke Nasenloch und atme rechts ein.
Verschließe rechts mit dem Daumen und atme links aus.
Ruhig und ohne Kraft wiederholen.
Löwenatem (Simhasana)
Aktivierend
Mustertief ein · Zunge raus, kräftig „Ha“
Dauer5 Wiederholungen
LevelEinsteiger
Eine Übung aus dem Hatha-Yoga, die Gesicht, Kiefer und Hals löst: Nach einer tiefen Einatmung streckst du die Zunge weit heraus, reißt die Augen auf und atmest kräftig mit einem „Ha“ aus. Wirkt befreiend bei Anspannung im Kiefer – und bringt die meisten zum Lachen.
Atme tief durch die Nase ein.
Öffne den Mund weit, streck die Zunge Richtung Kinn und atme kräftig mit „Ha“ aus.
Fünfmal wiederholen.
Gorilla-Atmung
Aktivierend
Mustertief ein · halten & auf die Brust klopfen · „Huh“
Dauer3 Runden
LevelFortgeschritten
Eine kraftvolle Aktivierungsübung aus der Chief Ice Officer® Praxis: Nach einer tiefen Nasenatmung hältst du die Luft und klopfst mit den Fingerspitzen, dann den Handflächen, dann den Fäusten auf die Brust. Zum Schluss atmest du kräftig mit einem „Huh“ aus und beugst dich dabei nach vorn. Ideal zum Wachwerden vor Training oder Kälte.
Tief durch die Nase einatmen.
Luft halten und auf die Brust klopfen – erst Fingerspitzen, dann Handflächen, dann Fäuste.
Kräftig „Huh“ ausatmen und dabei nach vorn beugen.
Kurz normal atmen, dann die nächste Runde.
Im Stehen nur mit sicherem Stand, nicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Urmensch-Atmung (Primitive Man Breathing)
Aktivierend
Mustertief und rhythmisch ein · summend aus
Dauer3–5 Min.
LevelEinsteiger
Ebenfalls aus der Chief Ice Officer® Praxis: tiefe, rhythmische Atmung, kombiniert mit einer tönenden, summenden Ausatmung. Das gleichmäßige Tempo aktiviert, das Summen verlängert die Ausatmung und hält den Kopf ruhig – eine ausgewogene Mischung aus Energie und Erdung.
Atme tief und rhythmisch durch die Nase ein.
Atme summend aus, mit spürbarer Vibration in Brust und Kopf.
Halte einen gleichmäßigen Rhythmus, ohne zu forcieren.
Zyklisch-rhythmische Atmung
Aktivierend
Musterlangsam → mittel → schnell, feste Abfolge
Dauerca. 4 Min.
LevelFortgeschritten
Eine strukturierte Sequenz, die in fester Reihenfolge durch ein langsames, ein mittleres und ein schnelles Tempo führt. So erlebst du in wenigen Minuten, wie unterschiedlich die Atemtempi auf Körper und Kopf wirken – vom Beruhigen bis zum Aktivieren. Der Pacer führt dich durch die Abfolge und kündigt jeden Wechsel an.
1 Minute langsam: 5 Sekunden ein, 5 Sekunden aus.
1 Minute mittel: 2 Sekunden ein, 2 Sekunden aus.
Etwa 50 Sekunden schnell, dann 30 Sekunden normal atmen und nachspüren.
Die schnelle Phase ist eine kurze Hyperventilation: nur sitzend oder liegend, nie im oder am Wasser.
Atemanhalten & CO₂-Training
Aus dem Apnoetauchen bekannt: Wer seine Toleranz gegenüber CO₂ trainiert, bleibt in Stress- und Kältesituationen länger ruhig. Diese Übungen immer trocken und liegend machen.
BOLT-Test (Control Pause)
Messen
Musternormal ausatmen · halten bis zum ersten Atemreiz
Dauer1 Min.
LevelEinsteiger
Der BOLT-Wert (Body Oxygen Level Test) stammt aus der Buteyko-Praxis und zeigt grob, wie empfindlich du auf CO₂ reagierst. Es geht nicht um maximales Atemanhalten, sondern um den Moment des ersten deutlichen Atemreizes. Als Orientierung aus der Praxis gilt: unter 20 Sekunden ist Luft nach oben, 20 bis 40 Sekunden sind gut, über 40 Sekunden sehr gut. Ein medizinischer Test ist das nicht – aber ein guter Verlaufswert für dein eigenes Training.
Sitz ruhig und atme eine Minute normal durch die Nase.
Atme normal aus (nicht forciert) und halte dir die Nase zu.
Tippe im Pacer auf „Weiter“, sobald du den ersten deutlichen Atemreiz spürst.
Atme danach ruhig durch die Nase weiter. Schnappst du nach Luft, hast du zu lange gehalten.
CO₂-Tabelle (Apnoe-Training)
Atemanhalten
Muster8 × 30 s halten, Pausen von 90 auf 30 s
Dauerca. 12 Min.
LevelFortgeschritten
Ein klassisches Trainingsprotokoll aus dem Apnoetauchen: Die Haltezeit bleibt gleich, die Erholungspausen werden immer kürzer. So steigt das CO₂ von Runde zu Runde – und du lernst, mit dem Atemreiz entspannt umzugehen. Die Einsteiger-Version im Pacer arbeitet mit 30 Sekunden. Fortgeschrittene wählen etwa die Hälfte ihrer maximalen Haltezeit.
Leg dich bequem hin, ohne Wasser in der Nähe.
Atme in den Pausen ruhig und normal – nicht hyperventilieren.
Halte nach einem normalen, entspannten Einatmen 30 Sekunden.
Wird es zu unangenehm, brich ab und atme ruhig weiter.
Apnoe-Training niemals im Wasser, in der Badewanne oder allein im Wasser fortsetzen. Atemanhalten im Wasser gehört ausschließlich unter Aufsicht in ein Apnoe-Training mit Ausbildung.
O₂-Tabelle (Apnoe-Training)
Atemanhalten
MusterPause 2 Min. · Haltezeit 20 → 60 s
Dauerca. 13 Min.
LevelFortgeschritten
Das Gegenstück zur CO₂-Tabelle: Die Erholungspause bleibt konstant bei zwei Minuten, die Haltezeit steigt von Runde zu Runde. So trainierst du die Toleranz gegenüber sinkendem Sauerstoff. Die Einsteiger-Version im Pacer geht von 20 auf 60 Sekunden; Apnoetaucher arbeiten mit Haltezeiten bis etwa 80 % ihres Maximums.
Leg dich bequem hin – ausschließlich trocken.
Atme in den Pausen ruhig und normal, nicht hyperventilieren.
Halte nach einem normalen Einatmen so lange, wie der Pacer vorgibt.
Brich ab, sobald es deutlich unangenehm wird.
Niemals im Wasser, in der Badewanne oder allein in der Nähe von Wasser.
Nase freimachen (Buteyko-Übung)
Atemanhalten
Musterausatmen · Nase zu · nicken · ruhig weiter
Dauer3 Runden
LevelEinsteiger
Eine bekannte Übung aus der Buteyko-Praxis für eine verstopfte Nase: Durch leichtes Atemanhalten mit sanfter Bewegung steigt das CO₂, und viele Menschen erleben danach eine freiere Nasenatmung. Ein praktischer Trick, bevor du eine Nasenatmungs-Übung beginnst.
Atme normal durch die Nase aus.
Halte dir die Nase zu und nicke langsam mit dem Kopf.
Halte, bis ein deutlicher, aber nicht starker Atemreiz kommt – dann tippen.
Atme ruhig durch die Nase weiter und wiederhole nach 30 Sekunden.
Hook Breathing (Erholungsatmung)
Sicherheit
Musterschnell ein · kurz halten & anspannen · aus
Dauer3 Wiederholungen
LevelFortgeschritten
Die Erholungsatmung aus dem Apnoetauchen: Nach einem langen Atemanhalten atmest du schnell ein, hältst kurz mit leichtem Druck im Oberkörper und lässt dann los. Das stabilisiert den Blutdruck und hilft, nach der Apnoe schnell wieder Sauerstoff aufzunehmen. Wer Atemanhalte-Training macht, sollte sie im Schlaf beherrschen.
Atme zügig und tief ein.
Halte 2 bis 3 Sekunden und spanne dabei Rumpf und Hals leicht an.
Atme passiv aus und wiederhole das dreimal.
Atem-Meditation & Achtsamkeit
Hier veränderst du den Atem nicht, sondern nutzt ihn als Anker für die Aufmerksamkeit – die ideale Ergänzung zu jeder Atemtechnik.
Atembeobachtung (Anapana)
Meditation
Musternatürlicher Atem, nur beobachten
Dauer10–20 Min.
LevelEinsteiger
Die Grundlage der Vipassana-Meditation: Du veränderst den Atem nicht, sondern beobachtest ihn nur – genau an der Stelle, an der die Luft an den Nasenlöchern ein- und ausströmt. Sobald die Gedanken abschweifen, kehrst du ohne Bewertung zum Atem zurück. Eine Schulung der Aufmerksamkeit, die jede andere Technik ergänzt.
Setz dich aufrecht und bequem hin, Augen geschlossen.
Richte die Aufmerksamkeit auf den Bereich unter der Nase.
Beobachte jeden Atemzug, ohne ihn zu verändern.
Schweift der Geist ab, kehre freundlich zurück.
Ohne Pacer – im eigenen Rhythmus üben
Atemzählen (Zen)
Meditation
Musterauf jedem Ausatmen zählen, 1 bis 10
Dauer10 Min.
LevelEinsteiger
Eine klassische Einstiegsübung aus dem Zen: Du zählst jede Ausatmung von eins bis zehn und beginnst dann wieder bei eins. Verlierst du den Faden, startest du einfach neu. Das Zählen gibt dem Geist eine klare Aufgabe und zeigt dir schnell, wie oft er abschweift.
Atme natürlich durch die Nase.
Zähle innerlich auf jeder Ausatmung: eins, zwei … bis zehn.
Danach wieder bei eins beginnen – oder sobald du dich verzählst.
Ohne Pacer – im eigenen Rhythmus üben
Atmung im Sport
Techniken für Laufen, Gehen und Training – hier atmest du in Bewegung, deshalb ohne Pacer.
Lauf-Atmung 3:2
Sport
Muster3 Schritte ein · 2 Schritte aus
Dauerbeim Laufen
LevelEinsteiger
Beim rhythmischen Laufatmen koppelst du die Atmung an die Schritte: drei Schritte einatmen, zwei Schritte ausatmen. Durch die ungerade Schrittzahl wechselt der Fuß, auf dem du ausatmest, bei jedem Atemzug. Bekannt geworden ist das Prinzip durch den US-Lauftrainer Budd Coates.
Lauf locker los und finde deinen Rhythmus.
Atme über drei Schritte ein, über zwei Schritte aus.
Bei höherem Tempo auf 2:1 wechseln – zwei Schritte ein, einer aus.
Ohne Pacer – im eigenen Rhythmus üben
Atemleiter (Nasal Ladder)
Sport
MusterSchritte pro Atemzug steigern
Dauer10–15 Min. beim Gehen
LevelFortgeschritten
Eine Gehübung zum Trainieren der Nasenatmung und der CO₂-Toleranz: Du atmest beim Gehen ausschließlich durch die Nase und steigerst die Zahl der Schritte pro Ein- und Ausatmung stufenweise – zum Beispiel 3-3, 4-4, 5-5 und wieder zurück. So wird die Atmung langsamer, ohne dass du stehen bleibst.
Geh in gemütlichem Tempo, Mund geschlossen.
Atme 3 Schritte ein, 3 aus – je eine Minute.
Steigere auf 4-4, 5-5, 6-6 und geh dann wieder zurück.
Musst du durch den Mund atmen, geh eine Stufe zurück.
Ohne Pacer – im eigenen Rhythmus üben
Hypoventilationstraining
Sport
Musterbeim Training nach dem Ausatmen kurz halten
DauerIntervalle im Training
LevelProfi
Eine Methode aus der Leistungsdiagnostik: Bei moderater Belastung – etwa beim Laufen oder Radfahren – atmest du normal aus und hältst dann einige Sekunden an, bevor du wieder einatmest. Das simuliert in Ansätzen Höhentraining. Sie gehört in ein strukturiertes Trainingsprogramm, idealerweise mit Begleitung.
Bei lockerer Belastung normal ausatmen.
3 bis 5 Schritte oder Sekunden halten, dann einatmen.
In kurzen Intervallen wiederholen, dazwischen normal atmen.
Niemals beim Schwimmen oder im Wasser. Nicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Ohne Pacer – im eigenen Rhythmus üben
Intensive Atemarbeit & Kälte
Zwei Spezialfälle: eine intensive Methode, die in erfahrene Hände gehört, und die Atmung für dein Eisbad.
Verbundenes Atmen (Conscious Connected Breathing)
Nur begleitet
Musterkreisförmig, ohne Pausen
Dauer30–90 Min.
LevelNur mit Begleitung
Hier atmest du über lange Zeit ohne Pause zwischen Ein- und Ausatmung, meist durch den Mund. Bekannte Formen sind Rebirthing und holotropes Atmen. Die Sitzungen können starke körperliche und emotionale Prozesse auslösen. Deshalb gehören sie ausschließlich in die Hände erfahrener, gut ausgebildeter Begleiterinnen und Begleiter – mit Vorgespräch, Ausschluss von Kontraindikationen und Nachsorge.
Für diese Methode gibt es bewusst keinen Pacer. Nicht allein praktizieren und nicht bei psychischen Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Epilepsie oder in der Schwangerschaft.
Eisbad-Atmung
Kälte
Muster4 s ein · 8 s aus, beim Eintauchen ausatmen
Dauervorher 3 Min., im Wasser 1–3 Min.
LevelEinsteiger
Beim Einstieg ins kalte Wasser löst die Kälteschockreaktion reflexartiges Luftschnappen und Hyperventilation aus (Tipton et al., 2017). Die Gegenstrategie ist eine lange, kontrollierte Ausatmung: Wer beim Eintauchen ausatmet, fängt den Keuchreflex ab und bekommt den Atem viel schneller wieder ruhig.
An Land drei Minuten 4-8 atmen – ruhig, ohne Hyperventilation.
Beim Eintauchen lang und hörbar ausatmen.
Im Wasser: kurz ein, lang aus, bis der Atem ruhig ist.
Breathwork und Eisbaden: warum beides zusammengehört
Der Moment, in dem du ins kalte Wasser gehst, ist vor allem eine Atemfrage. In den ersten Sekunden reagiert der Körper mit dem Kälteschock: reflexartiges Luftschnappen, schnelle unkontrollierte Atmung, steigende Herzfrequenz und steigender Blutdruck. Die Kältewasserforschung beschreibt genau diese erste Minute als den riskantesten Moment (Tipton et al., 2017).
Die gute Nachricht: Die Kälteschockreaktion wird durch regelmäßige Exposition schwächer, und du kannst lernen, sie über die Atmung zu steuern. Wer Breathwork beherrscht, geht anders ins Eis – ruhig ausatmend statt keuchend. Gleichzeitig ist die Kälte ein ideales Trainingsfeld für die Atemkontrolle: Nirgends merkst du so unmittelbar, ob deine Technik unter Stress funktioniert.
Vorher an Land: ruhige 4-6- oder 4-8-Atmung, kein Hyperventilieren.
Beim Einstieg: lang und hörbar ausatmen, langsam ins Wasser gehen.
Im Wasser: kurz ein, lang aus, Lippenbremse – bis der Atem ruhig ist.
Aktivierende Techniken wie die Wim-Hof-Atmung: nur getrennt vom Eisbad, sitzend oder liegend an Land.
Das komplette Protokoll mit allen Phasen findest du im Guide Atmung beim Eisbaden.
Wissenschaft
Was sagt die Forschung zu Breathwork?
Breathwork wird oft mit großen Versprechen vermarktet. Die Studienlage ist ermutigend – aber differenzierter, als viele Anbieter es darstellen. Das Wichtigste im Überblick:
Stress und Stimmung: Eine Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien fand für Breathwork einen kleinen bis mittleren Effekt auf selbstberichteten Stress sowie Hinweise auf Verbesserungen bei Angst- und Depressionssymptomen (Fincham et al., 2023).
Fünf Minuten täglich: In einer Studie der Stanford University verbesserten fünf Minuten strukturierte Atmung pro Tag über einen Monat die Stimmung stärker als Achtsamkeitsmeditation. Am deutlichsten wirkte das zyklische Seufzen (Balban et al., 2023).
HRV: Langsames Atmen erhöht die Herzratenvariabilität zuverlässig (Laborde et al., 2022). Im direkten Vergleich steigerten sechs Atemzüge pro Minute die HRV stärker als Box- oder 4-7-8-Atmung (Marchant et al., 2025).
Regelmäßigkeit schlägt Perfektion: In einer Studie mit 400 Teilnehmenden verbesserten sich die Gruppe mit kohärenter Atmung und eine Kontrollgruppe mit normalem Atemtempo gleichermaßen (Fincham et al., 2023). Die tägliche, bewusste Praxis scheint wichtiger als das exakte Muster.
Atmung, Kälte und Immunsystem: Ein Training aus Atemtechnik, Kälteexposition und Meditation führte im Experiment zu starkem Adrenalinanstieg und abgeschwächter Entzündungsreaktion (Kox et al., 2014) – ein spannender Einzelbefund, aber kein Beleg für Heilwirkungen.
Breath-Control und Psyche: Eine systematische Übersicht zu langsamer Atmung beschreibt Zusammenhänge mit mehr Entspannung, Wachheit und emotionaler Kontrolle sowie weniger Angst und Ärger (Zaccaro et al., 2018).
Fazit: Für Stressregulation, Stimmung und HRV ist Breathwork gut untersucht und leicht umsetzbar. Viele weitergehende Versprechen sind dagegen nicht belegt. Seriöse Trainerinnen und Trainer kennen genau diesen Unterschied – und kommunizieren ihn ehrlich.
Sicherheit
Sicherheit und Kontraindikationen
Beruhigende Techniken sind für fast alle Menschen unbedenklich. Bei aktivierenden Techniken und Atemanhalten gelten klare Regeln.
Technik-Typ
Für wen geeignet
Wann Vorsicht oder Verzicht
Beruhigend (4-6, Seufzer, Summen, Ujjayi)
nahezu alle
bei Atemwegserkrankungen Tempo anpassen
Mit Haltephasen (Box, 4-7-8)
gesunde Erwachsene
Herz- oder Lungenerkrankungen, Schwangerschaft, Panik bei Atemanhalten
Aktivierend (Wim Hof, Kapalabhati, Bhastrika)
gesunde Erwachsene mit Erfahrung
Schwangerschaft, Epilepsie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, psychische Erkrankungen, nach Operationen
Bei beruhigenden Übungen reicht ein normales Atemvolumen. Riesige Atemzüge führen schnell zu leichter Hyperventilation.
Pressen beim Halten
Pausen sollen entspannt sein. Kehle, Kiefer und Schultern bleiben locker – kein zugedrückter Hals.
Zu ehrgeizige Zeiten
Beginne mit kürzeren Intervallen und steigere dich langsam. Breathwork ist kein Wettkampf.
Unregelmäßig üben
Fünf Minuten täglich bringen mehr als eine lange Einheit pro Woche. Verknüpfe die Übung mit einer festen Gewohnheit.
Falscher Zeitpunkt
Aktivierende Techniken gehören in den Morgen oder vor das Training, nicht vor das Schlafengehen.
Hyperventilation am Wasser
Der gefährlichste Fehler: Aktivierende Atmung oder Atemanhalten vor oder im Wasser. Im Eisbad wird ausschließlich ruhig geatmet.
Chief Ice Officer® Instructor Masterclass
Breathwork professionell anleiten – mit Kälte-Expertise
Breathwork ist einer der am schnellsten wachsenden Bereiche in Coaching, Yoga, Personal Training und betrieblichem Gesundheitsmanagement. In der Masterclass lernst du die relevantesten Breathwork-Techniken von Budimir „Buda“ Šobat, der seinen Atem 24 Minuten und 37 Sekunden anhalten kann – dazu Kältephysiologie und Sicherheit mit Ärzten sowie Business-Know-how für dein eigenes Angebot. Die Techniken mit Coaching-Tipps für die Arbeit mit Gruppen findest du in der Breathwork-Bibliothek für Trainer von Chief Ice Officer®.
Rund 20 Stunden: 10 h Video, 10 h Selbststudium und Praxis
Es gibt beruhigende Techniken wie die 4-6-Atmung, den Physiologischen Seufzer oder die 4-7-8-Atmung, balancierende wie Box Breathing und kohärentes Atmen, aktivierende wie die Wim-Hof-Atmung, Tummo, Kapalabhati oder den Feueratem sowie Übungen zum Atemanhalten, zur Meditation und für den Sport. Auf dieser Seite findest du 47 Techniken mit Anleitung – fast alle direkt mit dem Atem-Pacer zum Mitmachen.
Was bringt Breathwork?
Breathwork kann helfen, Stress schneller abzubauen, die Stimmung zu verbessern, die Herzratenvariabilität zu erhöhen und den Übergang in den Schlaf zu erleichtern. Aktivierende Techniken steigern kurzfristig Wachheit und Energie. Die Effekte sind für regelmäßiges Üben am besten belegt.
Ist Breathwork gefährlich?
Ruhige, langsame Techniken sind für nahezu alle Menschen sicher. Risiken bestehen bei intensiver Hyperventilation und Atemanhalten – vor allem im oder am Wasser. Bei Vorerkrankungen wie Epilepsie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder in der Schwangerschaft solltest du aktivierende Techniken meiden und ärztlich abklären.
Welche Atemtechnik ist die beste für Anfänger?
Die 4-6-Atmung: 4 Sekunden durch die Nase ein, 6 Sekunden aus. Sie ist einfach, wirkt schnell beruhigend und ist die Grundlage für fast alle weiteren Techniken.
Wie funktioniert die Wim-Hof-Atmung?
Du atmest 30- bis 40-mal tief ein und locker aus, hältst nach dem letzten Ausatmen den Atem an, bis der Atemreiz kommt, atmest dann tief ein und hältst 15 Sekunden. Das wiederholst du drei bis vier Runden – immer im Sitzen oder Liegen und nie im oder am Wasser.
Wie oft sollte ich Breathwork üben?
Täglich fünf bis zehn Minuten sind ideal. Studien zeigen Effekte schon bei fünf Minuten pro Tag über einige Wochen. Für akute Stressmomente reichen oft ein bis zwei Minuten.
Warum kribbelt es beim Breathwork?
Kribbeln in Händen oder Lippen entsteht, wenn du mehr ausatmest, als dein Körper braucht, und der CO₂-Spiegel sinkt. Bei aktivierenden Übungen ist das bis zu einem gewissen Grad normal. Bei beruhigenden Übungen ist es ein Zeichen, dass du zu tief atmest.
Was ist der Unterschied zwischen Breathwork und Meditation?
Meditation trainiert vor allem die Aufmerksamkeit, der Atem wird dabei meist nur beobachtet. Breathwork verändert den Atem aktiv, um gezielt Körper und Nervensystem zu beeinflussen. Beides lässt sich gut kombinieren.
Kann ich Breathwork mit Eisbaden kombinieren?
Ja, mit einer klaren Regel: Aktivierende Techniken nur getrennt vom Eisbad an Land, im Wasser ausschließlich ruhige, lange Ausatmung. Details findest du im Guide Atmung beim Eisbaden.
Was ist ein guter BOLT-Wert?
Als Orientierung aus der Buteyko-Praxis gelten unter 20 Sekunden als ausbaufähig, 20 bis 40 Sekunden als gut und über 40 Sekunden als sehr gut. Der Wert ist kein medizinischer Test, eignet sich aber gut, um den eigenen Fortschritt zu verfolgen.
Kann ich Breathwork beruflich anbieten?
Ja. Breathwork-Angebote werden in Studios, Unternehmen, im Sport und in Retreats nachgefragt. Für eine seriöse, sichere Anleitung empfehlen wir eine fundierte Ausbildung, etwa die Breathwork Trainer Ausbildung der Chief Ice Officer® Instructor Masterclass.
Quellen
Balban MY et al. (2023): Brief structured respiration practices enhance mood and reduce physiological arousal. Cell Reports Medicine 4(1). Link
Fincham GW et al. (2023): Effect of breathwork on stress and mental health: A meta-analysis of randomised-controlled trials. Scientific Reports 13, 432. Link
Fincham GW, Strauss C, Cavanagh K (2023): Effect of coherent breathing on mental health and wellbeing: a randomised placebo-controlled trial. Scientific Reports 13, 22141. Link
Laborde S et al. (2022): Effects of voluntary slow breathing on heart rate and heart rate variability: A systematic review and a meta-analysis. Neuroscience & Biobehavioral Reviews. Link
Marchant J et al. (2025): Comparing the Effects of Square, 4-7-8, and 6 Breaths-per-Minute Breathing Conditions on Heart Rate Variability, CO2 Levels, and Mood. Applied Psychophysiology and Biofeedback 50, 261–276. Link
Kox M et al. (2014): Voluntary activation of the sympathetic nervous system and attenuation of the innate immune response in humans. PNAS 111(20), 7379–7384. Link
Kozhevnikov M et al. (2013): Neurocognitive and Somatic Components of Temperature Increases during g-Tummo Meditation: Legend and Reality. PLoS ONE 8(3), e58244. Link
Tipton MJ et al. (2017): Cold water immersion: kill or cure? Experimental Physiology 102(11). Link
Zaccaro A et al. (2018): How Breath-Control Can Change Your Life: A Systematic Review on Psycho-Physiological Correlates of Slow Breathing. Frontiers in Human Neuroscience 12, 353. Link
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. „Wim Hof“ und „Wim Hof Method“ sind Marken der jeweiligen Rechteinhaber; eisbaden.de steht in keiner Verbindung zu ihnen.
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