Eisbaden gibt es schon lange, auch wenn es manchmal den Eindruck erweckt, dass der Trend, ins Kühle Nass zu gehen gerade erst in Mode gekommen ist.

Nomaden Eisbaden Tradition

Eisbaden Tradition seit ca. 2.500 Jahren

Das Eisbaden geht auf die Skythen zurück, ein Nomadenvolk, welches ca. 700 v. Christus bis ca. 200 n. Christus ihre Blütezeit hatten. Die Skythen lebten in den eurasischen Steppen und hatten das bis dahin größte Reich der Welt, welches sich vom heutigen Rumänien im Westen über die Ukraine, weite Teile Russlands bis tief nach Asien in das heutige China und Mongolei ausbreitete.

Die Skythen sind für viele Innovationen bekannt. Sie nutzten als erstes Großmacht Pferde, um ihr Riesenreich zusammenzuhalten und die großen Distanzen (ca. 10.000 KM von West nach Ost) zu überbrücken. Auch im Bereich Bergbau und Metallurgie haben die Skythen viele Entwicklungen wie z. B. das Eisenschwert vorangetrieben und läuteten damit letztlich den Beginn der Eisenzeit ein.

Und was hat das mit Eisbaden zu tun? Die Skythen tauchten ihre Kinder ins eiskalte Wasser, damit diese sich bereits früh an die harschen klimatischen Verhältnisse gewöhnen. Ein kurzes Eisbaden war ein Weg, die Durchblutung und Widerstandskraft effektiv zu fördern und wurde deshalb auch von Erwachsenen praktiziert. Von den Slaven ist es ebenso bekannt, dass sie ähnliche, eiskalte Rituale praktiziert haben.

In Russland ist die Geschichte des Eisbadens fest verwurzelt und religiös geprägt

Am 19. Januar findet das Heilige Drei Könige Fest in Russland statt, welches aufgrund des julianischen Kalenders ca. 2 Wochen später als bei uns in Europa stattfindet. Es ist das Fest der Epiphanie, bei dem Gläubige die Taufe von Jesus Christus feiern. Millionen von Russen springen an diesem Tag in Eislöcher und allerlei Gewässer und bekreuzigen sich dabei, um sich von den Sünden reinzuwaschen. Eisbaden hat dadurch einen religiösen Zweck für die meist russisch-orthodoxen Christen. Das Wasser wird von Priestern gesegnet und von den Gläubigen abgefüllt und mit nach Hause genommen. In Sankt Petersburg werden Eislöcher ins zentimeterdicke Eis des Flusses Newa in der Form von Kreuzen gesägt, die als Jordan bezeichnet werden.

Das Fest zieht massenhaft Menschen aller Altersklassen an. Im Januar 2020 nahmen ca. 2 Millionen Menschen an etwa 9.000 Badestellen teil. Diese wurden von ca. 40.000 Sicherheitskräften und Sanitätern betreut. Man kann also beinahe von einem Volkssport sprechen. Und in Russland ist Eisbaden wirklich Eisbaden, denn in Sibirien können Temperaturen von sogar unter -50 ° C erreicht werden. Das russische Fest ist zwar religiös konnotiert, jedoch ist es, wie bei uns in Deutschland, der Fall, dass auch viele Nichtgläubige und Kälteenthusiasten sich in die kalten Wogen wagen. Besonders bei jungen Russen wird das Eisbaden immer beliebter – als Stärkung, jedoch auch als Mutprobe. Auch der russische Staatspräsident Wladimir Putin ist beim Eisbaden gesichtet worden.

Alle praktizieren Eisbaden – von den Germanen über Karl der Große, Goethe und Kneipp

Doch auch in Deutschland ist die Tradition des Eisbadens mittlerweile hundert Jahre alt. Die Germanen sollen ihre neugeborenen (!) Kinder im Eiswasser gebadet haben, um sie abzuhärten. Ich möchte nicht wissen, ob das bedeutend zur Kindersterblichkeit damals herbeigetragen hat. Aber die Tradition ist ebenfalls von unseren Urahnen praktiziert worden. Bereits Karl der Große, der mächtige König des Frankenreichs (748-814 n. Chr.) ist im Winter draußen geschwommen. Auch von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) ist bekannt, dass er in Weimar das Eis im Fluss Ilm aufhackte, um mit seinen Freunden zu baden.

Ab dem 18 Jahrhundert wird Kältetherapie medizinisch genutzt

Es kann festgehalten werden, dass ab dem 18. Jahrhundert kaltes Wasser immer systematischer von Medizinern für therapeutische Zwecke genutzt wurde. Der Priester Sebastian Kneipp (1821-1897) erlangte aufgrund seiner Naturheilkundlichen und Hydrotherapeutischen Ansätze zu einiger Berühmtheit. Wassertreten und Kaltwassertherapien wurden zwar schon früher praktiziert, aber Kneipp machte diese salonfähig und in breiten Bevölkerungsschichten populär. Ab 1960 wurde Winterschwimmen und Eisbaden besonders in der DDR sehr beliebt, auch an der Nord- und Ostsee ist Eisbaden sehr verbreitet. Im Jahr 2003 wurde von etwa 1.000 Eisbadern gesprochen, die in Vereinen organisiert sind. Da die meisten Eisbader jedoch nicht irgendwelchen Vereinen angehören, kann man davon ausgehen, dass die Zahl um ein Vielfaches höher ist.

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